2013-05-franziskus-03.jpg
vabm_logo.gif
- Franziskus I. (seit 2013) -
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.01.2018
2013-05-franziskus-03.jpg
 
pfeil_weiss_rechts.gif   Einführung
pfeil_weiss_rechts.gif   Über den Vatikan
pfeil_weiss_rechts.gif   Kirchenstaat
pfeil_weiss_rechts.gif   Pius XI. (1922-1939)
pfeil_weiss_rechts.gif   Pius XII. (1939-1938)
pfeil_weiss_rechts.gif   Johannes XXIII. (1958-1963)
pfeil_weiss_rechts.gif   Paul VI. (1963-1978)
pfeil_weiss_rechts.gif   Johannes Paul I. (1978)
pfeil_weiss_rechts.gif   Johannes Paul II. (1978-2005)
pfeil_weiss_rechts.gif   Benedikt XVI. (2005-2013)
pfeil_weiss_rechts.gif  Franziskus I. (seit 2013)
   Einführung
   Werdegang
   Markenausgaben 2013-2015
   Wahl Bergoglios
   Maßnahmen und Wirken
   Markenausgaben 2016-2019
   Die Reisen des Papstes
pfeil_weiss_rechts.gif   Portomarken etc.
pfeil_weiss_rechts.gif   Impressum
pfeil_weiss_rechts.gif   Kontakt
pfeil_weiss_rechts.gif   H O M E
Einführung Der Werdegang von Jorge Mario Bergoglio Die Markenausgaben 2013-2015 Die Wahl Bergoglios zum Papst Maßnahmen und Wirken Die Markenausgaben 2016-2019 Die Reisen des Papstes nach unten

Einführung

Zur Zeit des Pontifikats von Papst Franziskus I. (seit 2013) erschienen bis heute ca. ??? Briefmarken.

zurück
Der Werdegang von Jorge Mario Bergoglio

Jorge Mario Bergoglio SJ (geb. 17.12.1936 in Buenos Aires, Argentinien) wurde am dem 13.03.2013 zum 266. Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt. Er war der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit in diesem Amt. Im Jahre 1958 wurde Bergoglio Jesuit, 1969 Priester, 1998 Erzbischof von Buenos Aires und 2001 Kardinal.

2013-05-franziskus-01.jpgBergoglios Vater, José Mario Francisco Bergoglio, stammte aus Italien. Er wanderte aus der piemontesischen Ortschaft Portacomaro nahe Asti nach Argentinien aus, fand bei einer argentinischen Eisenbahngesellschaft eine Anstellung und heiratete am 12.12.1935 die in Buenos Aires geborene Regina Maria Sivori, deren Eltern ebenfalls aus Italien stammen. Bergoglio erlangte einen Diplomabschluß als Chemietechniker. Er trat 1958 in den Jesuitenorden ein und studierte zunächst Geisteswissenschaften in Chile, nach seiner Rückkehr nach Buenos Aires an der Theologischen Fakultät des Colegio Máximo San José in San Miguel Philosophie (Abschluß 1960) und Katholische Theologie (Abschluß 1970). Theologisch geprägt wurde er dabei u. a. von Lucio Gera, dem Begründer der "Theologie des Volkes", einer argentinischen Variante der Befreiungstheologie. Von ihm übernahm Bergoglio die Auffassung, dass die Kirche eindeutig an der Seite der Armen zu stehen und solidarisch deren Rechte und Teilhabe in Kirche und Gesellschaft einzufordern habe. 2012 ließ er Gera in der Krypta der Kathedrale von Buenos Aires bestatten.

Am 13.12.1969 empfing Bergoglio durch Erzbischof Ramón José Castellano die Priesterweihe. Für sein Tertiat ging er für ein Jahr nach Spanien. Von 1973 bis 1979 war er Provinzial (Leiter) der argentinischen Provinz des Jesuitenordens. Von 1980 bis 1986 war Bergoglio Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel. 1986 ging er an die vom Jesuitenorden getragene Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, um zu promovieren. Seine Dissertation blieb unvollendet. Umstritten ist sein Verhalten währen der Miltärdiktatur (1976–1983), die bis zu 30.000 mutmaßlich oppositionelle Argentinier von Todesschwadronen entführen, foltern und ermorden ließ. Bergoglio war als zu dieser Zeit als Leiter des Jesuitenordens nicht für kirchliche Stellungnahmen zuständig, aber zum Schutz der Ordensmitglieder verpflichtet.

2013-05-franziskus-02.jpgAm 20. Mai 1992 ernannte Papst Johannes Paul II. Bergoglio zum Weihbischof in Buenos Aires und Titularbischof von Auca. Am 27. Juni spendete ihm der Erzbischof von Buenos Aires Antonio Quarracino die Bischofsweihe. Am 03.06.1997 wurde Bergoglio zum Koadjutorerzbischof von Buenos Aires ernannt. Nach dem Tod von Kardinal Quarracino am 28.02.1998 trat er dessen Nachfolge als Erzbischof von Buenos Aires an. Zugleich wurde er zum Ordinarius für die Gläubigen der Katholischen Ostkirchen in Argentinien ernannt. Er trat seit 2000 öfter bei Jahrestreffen der antimarxistischen, spirituellen Freiwilligenbewegung Comunione e Liberazione auf. Als Erzbischof warb Bergoglio erfolgreich Priester für die Arbeit in den Armenvierteln von Buenos Aires an, ließ sie paarweise zusammenarbeiten und verdoppelte so die Zahl der dort seit etwa 1960 bestehenden katholischen Gemeinden auf 20. Er erschien oft unangemeldet in den Slums, initiierte Hilfsprojekte für Drogensüchtige und versuchte, sie vor Todesdrohungen von Drogendealern zu schützen. Damit gewann er enorme Sympathien bei argentinischen Slumbewohnern. Er wurde auch für einen bescheidenen Lebensstil und Einsatz für die Armen bekannt. Am 08.11.2005 wurde Bergoglio für drei Jahre zum Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz gewählt und am 11. November 2008 für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. Seit 2008 arbeitete Bergoglio mit Fundacion Alameida zusammen, einer Hilfsorganisation für von Menschenhandel und Zwangsprositution bedrohte Frauen. 2010 kritisierte Bergoglio das Verlagern von Unternehmensgewinnen ins Ausland als Sünde. 2012 unterstützte Bergoglio die Maßnahmen Benedikts XVI. gegen katholische Kleriker, die sexuellen Mißbrauch begangen hatten.
Papst Johannes Paul II. ernannte Bergoglio 2001 zum Kardinalpriester und nahm ihn in das Kardinalskollegium auf. In der römischen Kurie war er Mitglied der Kongregation für den Klerus, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung und der päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Im Konklave 2005 soll Bergoglio laut Tagebuchaufzeichnungen eines anonymen Kardinals im dritten Wahlgang 40 Stimmen erhalten haben. Danach soll er auf die Kandidatur verzichtet und so die Wahl seines Gegenkandidaten Joseph Ratzinger zum Papst ermöglicht haben.

zurück
Die Markenausgaben 2013-2015

Für 2013 unter Papst Franziskus I. - nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. - sind die Ausgaben "Pontifikatsbeginn Papst Franziskus I.", der Kleinbogen "Guiseppe Giochonobille", "Weltjugendtag Rio de Janeiro" zu nennen.

... wird fortgesetzt ...

zurück
Die Wahl Bergoglios zum Papst

Schon kurz nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. trafen nach und nach die ersten Kardinäle zur Konklave in Rom ein. Am 14. März war es dann so weit und ganz Lateinamerika feierte, daß der neue Pontifex aus Argentinien kam. Für viele war es eine Überraschung, als der Argentinier Bergoglio als neuer Papst präsentiert wurde. Nicht nur, daß keiner den Erzbischof von Buenos Aires auf dem Schirm hatte, sondern auch, weil das Pontifikat eine neue Ära beschreitet. Noch nie hatte es einen Papst außerhalb des europäischen Kontinents gegeben. Entsprechend groß war der Jubel unter den Gläubigen in Argentinien und den anderen lateinamerikanischen Ländern.

2013-05-franziskus-03.jpgJose Antonio Cruz, ein Franziskaner-Bruder in der Kirche des Heiligen Franz von Assisi in Puerto Rico kommentierte die Wahl mit den Worten: "Das ist ein großes Geschenk für alle in Lateinamerika. Wir haben 20 Jahrhunderte gewartet. Es war es wert." Doch nicht nur bei Glaubensbrüdern, auch bei den Menschen auf der Straße war die Freude über den neuen Papst Franziskus groß. Viele feierten lautstark auf den Straßen, weinten und schickten Dankesgebete gen Himmel. Gerade in Lateinamerika hat die katholische Kirche viele Anhänger, so daß die Wahl eine Nicht-Euroäers eigentlich schon lange überfällig war. Papst Franziskus gilt als konservativ und volksnah. Mehr als 500 Millionen Menschen in Lateinamerika und damit rund 42 Prozent der 1,2 Milliarden Katholiken weltweit gehören der Religion an; in Europa sind es gerade einmal 25 Prozent.

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 28.02.2013 auf sein Amt verzichtet hatte, begann am 12.03.2013 das Konklave 2013, an dem 115 Kardinäle teilnahmen. Schon am zweiten Tag des Konklaves erhielt Bergoglio im fünften Wahlgang die nötige Zweidrittelmehrheit und wurde zum 266. Papst gewählt. Erstmals wurde mit ihm ein Jesuit und damit nach 167 Jahren wieder ein Ordensangehöriger Papst. Dies werten Beobachter als bedeutsam, da Päpste im Hochmittelalter häufiger aus großen katholischen Männerorden stammten, aber heute nur noch knapp 15 Prozent der Kardinäle einem Orden angehören. Bergoglio nahm als erster Papst den lateinischen Papstnamen "Franciscus" an. Am 16.03.2013 erklärte der Papst, er habe sich nach Franziskus von Assisi benannt, weil Cláudio Hummes ihn nach seiner Wahl im Konklave gebeten habe: "Vergiß die Armen nicht!" Franziskus sei für ihn der Mann der Armut, des Friedens, der die Schöpfung liebe und bewahre. Anzustreben sei eine "arme Kirche für die Armen", ihre materielle Zurückhaltung und mehr Hilfe für Bedürftige.

zurück
Maßnahmen und Wirken

... wird fortgesetzt ...

- Auftreten und Lebensweise -

2013-05-franziskus-04.jpgFranziskus gilt als bescheiden, aber auch als entschlossen und durchsetzungsstark. Vor seiner Wahl zum Papst wurde er als "asketischer Mann Gottes" beschrieben. Bei seinem ersten Auftritt auf der Benediktionsloggia des Petersdoms trug er nur die weiße Soutane statt des üblichen Papstornats. Er wohnte im Gästehaus, bevor er zu Fuß in den Palast geht, wo seine Sekretäre wohnten. Die dortige Papstsuite wurde für repräsentative Zwecke genutzt. Er trug das Brustkreuz aus Eisen aus seiner Kardinalszeit und nicht ein Kreuz aus Edelmetall. Statt der päpstlichen roten Schuhe trug er orthopädische schwarze Schuhe. Sein Fischerring bestand nicht aus Gold, sondern aus vergoldetem Silber.

- Verhältnis zu Ökumene, Judentum und Islam -

Vor Vertretern anderer Kirchen und Religionen am 19.03.2013 bekräftigte Franziskus, er werde den ökumenischen und interreligiösen Dialog im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils fortsetzen. Die Anhänger aller Religionen könnten gemeinsam viel zur Bewahrung der Schöpfung, für die Armen und den Weltfrieden tun. Franziskus hate während seiner Zeit als Bischof auch enge Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft in Argentinien. Nach Bombenanschlägen auf das Gebäude der Asociación Mutual Israelita Argentina (AMIA) 1994 unterzeichnete Bergoglio als Erster eine Petition, die den Anschlag verurteilte und forderte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Er nahm 2007 an den Feiern zum jüdischen Fest Rosch ha-Schana teil. Als Erzbischof erlaubte er der argentinischen Abteilung der jüdischen Organisation B’nai B’rith, ihre jährliche, liturgisch gestaltete Gedenkfeier zur "Reichskristallnacht 1938" und zum Holocaust in katholischen Kirchen der Diözese Buenos Aires abzuhalten. Dem Internationalen Jüdischen Komitee für interreligiöse Zusammenarbeit (IJCIC) sagte Franziskus am 24.06.2013, daß auf Grund der Wurzeln des Christentums im Judentum "kein Christ Antisemit sein" könne. Franziskus galt Vertretern des Islam als Freund, weil er sich als Kardinal sofort von Benedikts Papstzitat von Regensburg distanziert hatte. Vor dem diplomatischen Korps am 22.03.2013 würdigte Franziskus die vielen Vertreter der islamischen Welt bei seiner Amtseinführung. Großscheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Vertreter der Sunna, bot Franziskus am 26.03.2013 in einem Brief die "volle Zusammenarbeit und Liebe" an, "um gemeinsame Werte zu sichern und der Kultur des Hasses und der Ungleichheit ein Ende zu setzen".

- Erste Maßnahmen und Ereignisse -

Direkt nach seiner Papstwahl hob Franziskus mit dem Satz "Die Diözese Rom hat nun ihren Bischof" sein Amt als "Bischof von Rom" hervor, das er zugleich mit dem Papstamt bekleidet. Er unterstrich dies durch seinen Besuch in Santa Maria Maggiore in der römischen Innenstadt. Am 08.04.April 2013 nahm er seinen Bischofssitz, die Lateranbasilika, mit dem Kreuzstab in Besitz, den Benedikt XVI. seit 2008 nicht mehr verwendet hatte. Am 23.05.2013 bestätigte er den von Benedikt XVI. ernannten Kardinal Agostino Vallini als Kardinalvikar der Diözese Rom.

Am 13.04.2013 setzte der Papst eine Kommission von acht Kardinälen aus verschiedenen Erdteilen unter Leitung von Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga dazu ein, ihn bei der Leitung der Weltkirche zu beraten und Reformen der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus vorzubereiten. Am 20.04.2013 kürzte er den Jahreszuschuß für die fünf Kardinäle, die die Vatikanbank verwalten, und Sondergratifikationen für Vatikanangestellte zum Pontifikatswechsel. Der eingesparte Betrag soll für soziale Projekte verwendet werden. Er entließ den wegen Geldwäsche- und Korruptionsverdacht verhafteten Leiter der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, Nunzio Scarano, ersetzte den zurückgetretenen Chef der Vatikanbank Paolo Cipriani übergangsweise durch Ernst von Freyberg und setzte eine Kommission ein, die die Bank bis Oktober 2013 reformieren soll. Anfang August 2013 stellte der Staatsanwalt des Heiligen Stuhls wegen dieser Geldwäsche-Affäre zum ersten Mal in der Geschichte ein Rechtshilfeersuchen an die Republik Italien.

- Debatte über den Zölibat -

Im September 2013 kündigte der künftige vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin an, daß eine Debatte über die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern möglich wäre und überraschte damit die Weltöffentlichkeit. In der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" sagte er, der Zölibat sei "kein Dogma der Kirche, und man kann darüber diskutieren". Neben der Treue zum Willen Gottes und zur Geschichte der Kirche sei "Offenheit für die Zeichen der Zeit" nötig. Dazu gehöre auch der Priestermangel. Parolin sagte mit Blick auf den Zölibat, man könne über solche Themen reden und "über einige Änderungen nachdenken". Dies müsse aber "im Dienst der Einheit und gemäß dem Willen Gottes" geschehen. Die priesterliche Ehelosigkeit sei eine Tradition, die in die ersten Jahrhunderte zurückreiche. Man könne "nicht einfach sagen, dass sie überholt sei", so der Erzbischof.

- Debatte über Abtreibung und Homosexualität -

Kurze Zeit später sorgte dann Franziskus I. am 19. September 2013 in einem Interview für Aufsehen. Das Kirchenoberhaupt ermahnte die Kirche, gnädiger und einladender auf Menschen zuzugehen, auch wenn diese gegen moralische Regeln der Kirche verstoßen haben. Ausdrücklich ging der Heilige Vater dabei auf Homosexuelle und Frauen ein, die ein Kind abgetrieben haben und ihr Handeln bereuen. Die katholische Kirche muss nach den Worten von Papst Franziskus für eine Balance zwischen umstrittenen Ansichten zu Themen wie Abtreibungsrechten oder Homosexualität und der Notwendigkeit sorgen, die Kirche gnädiger und einladender für die Menschheit zu gestalten. Anderenfalls könnte ihr moralisches Gefüge "wie ein Kartenhaus" zusammenfallen, warnte Franziskus in einem auffallend selbstkritischen und umfassenden Interview der jesuitischen Zeitschrift "La Civilta Cattolica". Die katholische Kirche müsse wie ein "Feldlazarett nach einem Kampf" sein, das die Wunden seiner Gläubigen heile und nach denen suche, die verletzt, ausgeschlossen oder abhanden gekommen seien, erklärte der Papst in dem Interview. Die Kirche habe sich zuweilen "in kleinen Dingen, in engstirnigen Regeln eingeschlossen", beklagte er.

- Kritik am Hofstaat -

Der jüngste Paukenschlag des Papstes erfolgte Anfang Oktober 2013 auf einer Art K-8-Gipfel, bei dem acht Kardinäle aus aller Welt im Vatikan über eine Reform der Kurie berieten. Der Heilige Vater bezeichnete den vatikanischen Hofstaat als "Lepra des Papsttums". Er wollte nun Ernst machen mit der Umsetzung des Zweiten Vaticanums aus der Mitte der 60er Jahre. Es stellte sich dabei aber die Frage, wie versteinert dieser Kirchenstaat viel zu lange war, wenn die Vatikanbank erstmals eine Jahresbilanz veröffentlichte.

- Das Papstschreiben "Evangelii Gaudium" -

Mitte November 2013 legte Papst Franziskus hat mit der Schrift "Evangelii Gaudium" ("Freude des Evangeliums") sein Programm vor. Ziel ist eine offenere Kirche, Gegner das von Konsum geprägte Menschenbild. Er wisse sehr wohl, so Franziskus in seinem apostolischen Schreiben, "daß heute die Dokumente nicht dasselbe Interesse wecken wie zu anderen Zeiten und schnell vergessen werden". Was auch immer im Zeitempfinden des Papstes als schnell gilt: Sein eigenes Schreiben kann er nicht gemeint haben.

Das Papsttum müsse "mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung" entsprechen, forderte er in dem apostolischen Schreiben, um dann Türen und Fenster ganz weit zu öffnen: "Es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen 'Dezentralisierung' voranzuschreiten." Er wolle eine Kirche, die sich den Menschen mehr öffnet, die auf sie zugeht. Man denkt an Wiederverheiratete, an Homosexuelle, wenn man die Zeilen liest: "Die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben." Die Türen der Sakramente dürften "nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden". An anderer Stelle schreibt er von "kreativen Methoden", mit denen die pastorale und missionarische Arbeit neu gestaltet werden müsse. "Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist." Das Priesteramt sollte allerdings Frauen auch weiterhin versperrt bleiben.

- Sonstige Ereignisse 2013 -

Der Papst zeigte sich auch zu seinem 77. Geburtstag am 17. Dezember 2013 bescheiden. Er feierte eine Frühmesse mit Obdachlosen und dem Personal seines Gästehauses und anschließend lud der Pontifex die Gläubigen, die oft in der Umgebung des Petersplatzes übernachten, zu einem Frühstück. Außerdem kamen noch einige Mitarbeiter des Papstes mit ihren Familien zu der kleinen Geburtstagsfeier. Unter den Gratulanten war auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, den der Franziskus im Oktober zum neuen zweiten Mann im Vatikan erhoben hatte. Kurz vor Weihnachten besuchte Papst Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI., wobei beide sich unterhielten und gemeinsam in einer Kapelle beteten.

Am 1. Weihnachtstag 2013 spendete Franziskus erstmals den traditionellen Segen "Urbi et Orbi". Er äußerte dabei die Hoffnung auf eine bessere Welt und für wahren Frieden. Zudem forderte er die Achtung der Würde von Migranten und Flüchtlingen, die vor Elend und Konflikten fliehen. 70.000 Pilger waren auf den Petersplatz geströmt. Ausdrücklich in sein Gebet für Frieden schloß er Syrien, Südsudan, die Zentralafrikanische Republik, Nigeria und Irak ein und betete für fruchtbare Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern.

- Das Jahr 2014 -

Am 19. August starben drei Angehörige von Papst Franziskus bei einem Verkehrsunfall in Argentinien. Die Ehefrau eines Neffen des argentinischen Papstes und deren zwei kleine Kinder im Alter von zwei Jahren und acht Monaten verunglückten auf einer Autobahn. Der 35-jährige Emanuel Horacio Bergoglio, Sohn eines verstorbenen Bruders des Papstes, erlitt schwere Verletzungen.

Am 13. September 2014 Besuchte Franziskus das Monument "Sacrario di Redipuglia". Anlaß war das Gedenken an die Toten des 1. Weltkriegs. Mit einer Anklage gegen Waffenhändler und Kriegshetzer gedachte Papst Franziskus der Toten aller Kriege. "Der Krieg ist ein Wahnsinn", rief er vor mehr als 100.000 Menschen aus.

Unter strahlendem Herbsthimmel sprach Franziskus am 19. Oktober zum Abschluß der Bischofssynode vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom Papst Paul VI. selig und erklärte den 26. September zum Namenstag des früheren Kirchenoberhauptes. An der Zeremonie nahm auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. teil. apst Paul VI. führte das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende und gilt als Erneuerer der Katholischen Kirche. Bei der 68er-Bewegung war er als besonders konservativ verpönt. Als Voraussetzung für seine Seligsprechung erkannte die zuständige Kongregation die Heilung eines ungeborenen Kindes von einer eigentlich unheilbaren Krankheit als Wunder an. Die Mutter, eine US-Bürgerin, war 2001 dem Rat ihrer Ärzte zu einer Abtreibung nicht nachgekommen. Sie hatte sich im Gebet an den 1978 gestorbenen Papst gewandt und um Hilfe für ihr Ungeborenes gebeten. Das Kind ist inzwischen 13 Jahre alt und offenbar gesund.

Bei einer Weihnachtsfeier nannte Franziskus die 15 Krankheiten der Römischen Kurie und warnte vor "geistlichem Alzheimer"! Vor seinem zweiten Weihnachtsfest in Rom schloß er an den üblichen Empfang für die Leiter der römischen Kurienbehörden erstmals auch eine Begegnung mit den niederen Angestellten des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaates an, nämlich mit den Gärtnern und Aufzugführern, mit den Referenten und Sachbearbeitern, mit den Museumswärtern und Feuerwehrleuten. Beim Empfang für die Kurienkardinäle und -bischöfe in der ehrwürdigen Sala Clementina verzichtete Franziskus zuvor auf den üblichen kirchlichen Jahresrückblick. Vielmehr nutzte er die Rede zu einer kritischen Reflexion über Funktion und Wesen der römischen Kurie. Sie sei ein "dynamischer Körper", der trotz der unterschiedlichen kulturellen und nationalen Herkunft der Mitarbeiter effizient und diszipliniert funktionieren müsse, forderte er. Diese Arbeit müsse sich stetig - auf der Grundlage einer engen Gottesziehung - "in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit" verbessern. Als weitere "Krankheiten" nannte Franziskus Rivalität, Eitelkeit, Geschwätzigkeit, falsche Unterwürfigkeit, Karrieredenken, Abschottung, ungenügende Koordination mit anderen. Aber auch Gewinnstreben, theatralische Strenge, sterilen Pessimismus oder gar ein Doppelleben zählte Franziskus hinzu. Zudem erwähnte er "geistliches Alzheimer", das die Bindung an Christus und die Heilsgeschichte vergesse, sowie eine übertriebene Geschäftigkeit, die das eigentliche Ziel des Hirtendienstes aus den Augen verliere. Es waren ungewöhnlich kritische Worte, die Franziskus zu diesem festlichen Anlaß an seine engsten Mitarbeiter richtete. Darunter fanden sich etliche plastische Formulierungen, die er bereits in seinen täglichen Morgenmessen vorgetragen hatte. Etwa wenn er vom Gang über einen Friedhof spricht, bei dem man die Namen vieler Personen lesen könne, die sich einst "für unsterblich, immun und unverzichtbar" hielten.

- Bischofssynode (05. - 19.10.2014) -

In Rom begann am 5. Oktober 2014 die Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Famili. Bis 19. Oktober berieten Bischöfe aus aller Welt und der Papst darüber, wie die katholische Kirche auf die veränderte Lebenswirklichkeit vieler Katholiken reagieren soll. Themen waren u.a. auch Homosexualität und eingetragene Lebenspartnerschaften. Mit einem festlichen Gottesdienst im Petersdom eröffnete Papst Franziskus die Versammlung von 191 Bischöfen aus aller Welt. In seiner Eröffnungspredigt warnte Franziskus die Bischöfe davor, sich in einer eitlen Debatte über wirklichkeitsfremde Vorschläge zu verlieren. Solche Versammlungen seien nicht dazu da, "schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist", so der Papst. Es gehe darum, sich "um die Familie zu kümmern" und an Gottes "Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten". Zugleich machte der Papst deutlich, dass die geltende kirchliche Lehre hierbei nicht das alleinige Kriterium sein dürfe. Der Geist schenke eine Weisheit, "die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten". Die Weltbischofssynode beriet auch über den Umgang mit Patchwork-Familien, wiederverheirateten Geschiedenen, gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, Paaren ohne Trauschein und über die Sexualmoral. Weitere Themen waren eine bessere Unterstützung für Familien angesichts von Migration und Gewalt. Grundlage der Beratungen war ein Arbeitspapier, das aus den Rückmeldungen auf die vatikanische Umfrage zu Familie, Ehe und Sexualität erstellt wurde.

- Das Jahr 2015 -

Am 23. Janaur 2015 wurden 20 Opfer des Spanischen Bürgerkriegs und ein katholischen Laien aus Südafrika offiziell als Märtyrer anerkannt. Es handelt sich um drei Mitglieder der Gemeinschaft der Josefsschwestern sowie um 17 Trappisten, die 1936 aus Haß gegen den katholischen Glauben ermordet wurden. Tshimangadzo Samuele Benedetto Daswa Bakali (1946-1990) aus Mbahe im ehemaligen Venda-Homeland wurde selig gesprochen. Er wurde von einer Menschenmenge erschlagen, weil er sich einem lokalen Geistheiler und dessen Hexerei aus christlicher Überzeugung widersetzte. Noch nicht von der Kongregation offiziell als Märtyrer anerkannt wurde der während einer Messe ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero (1917-1980), aber die zuständige Theologenkommission bestätigte den Tod auf Grund von Haß gegen den Glauben. Allerdings stand eine Bestätigung durch die Kardinalsversammlung der Kongregation nach aus. Insgesamt veröffentliche die Heiligsprechungskongregation mit Zustimmung des Papstes elf Dekrete. Für die italienische Ordensgründerin Maria Teresa Casini (1864-1937) wurde ein Heilungswunder bestätigt. Ihrer Seligsprechung steht damit nichts mehr im Wege. Sieben weiteren Personen erkannte die Behörde den "heroischen Tugendgrad" zu. Darunter sind der ukrainische Priester Ladislaw Bukowinski (1904-1974), der US-Ordensgründer Ludwig Schwartz, der 1992 im Alter von 62 Jahren auf den Philippinen starb, sowie die Japanerin Elisabeth Maria Satoko Kitahara (1929-1958).

... wird fortgesetzt ...

- Vereitelung eines Anschlags 2015 -

Ende April 2015 nahm die italienische Polizei 18 mutmaßliche Terroristen fest, doch andere Verdächtige konnten entkommen. Die Aktion war lange vorbereitet, die Telefone der Zielpersonen wurden seit Monaten abgehört. Beim gleichzeitigen Zugriff wurden sieben "Ausländer", die meisten aus Pakistan und Afghanistan, in Sardinien verhaftet, in ihren "Zentralen" in Sassari und Olbia. Weitere elf Personen nahm die Polizei in sieben verschiedenen Regionen auf dem italienischen Festland fest. Kopf der Gruppe war ein islamischer Geistliche. Allesamt galten die Männer als äußerst radikal und höchst gefährlich. Die Gruppe plante schon im Jahre 2010 offenbar auch einen Anschlag auf den Vatikan. Die Polizei war den Verdächtigen durch abgehörte Telefonate auf die Spur gekommen. Darin sei unter anderem davon gesprochen worden, einen "großen Dschihad in Italien" herbeizuführen.

- Öko-Enzyklika "Laudato si" -

In seiner Öko-Enzyklika "Laudato si" ("Gelobt seist du"), die Mitte Juni 2015 publiziert wurde, forderte Papst Franziskus einen Wandel im Umgang mit der Natur. Das knapp 200 Seiten lange Rundschreiben war ein aufrüttelndes, klar formuliertes Dokument, das weltweite Umweltsünden aufzählte und die Verantwortung von Politik und Wirtschaft anprangerte. Streckenweise verschwindet die Institution katholische Kirche hinter den Appellen an das Individuum, die Erde vor der Zerstörung zu retten. Denn das, da ist sich der Papst sicher, kann jeder Einzelne, ganz konkret, im Alltag. Der Schutz der Natur, des Planeten, ist für Franziskus ein urchristliches Anliegen. Die grüne Agenda war klug gewählt: Sie erlaubte es dem Papst, sein Kardinalanliegen, den Kampf gegen die Armut, mit einzubeziehen. Denn es sind die sozial Schwachen, die am meisten unter Umweltausbeutung und Klimawandel leiden!

Folgende Passage enthielt den Grundappell des Papstes: "Auffallend ist die Schwäche der internationalen politischen Reaktion. Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen. Es gibt allzu viele Sonderinteressen, und leicht gelingt es dem wirtschaftlichen Interesse, die Oberhand über das Gemeinwohl zu gewinnen und die Information zu manipulieren, um die eigenen Pläne nicht beeinträchtigt zu sehen. (…) Das Bündnis von Wirtschaft und Technologie klammert am Ende alles aus, was nicht zu seinen unmittelbaren Interessen gehört." Dies war der rote Faden, der die Enzyklika durchzog. Franziskus verwies damit auf die Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats 2007 in Brasilien. Er war damals Mitglied der Redaktionskommission des Schlußdokuments, in dem es weiter heißt: "Als Propheten des Lebens wollen wir deshalb darauf bestehen, dass bei den Eingriffen in die natürlichen Ressourcen nicht die Interessen von Wirtschaftskreisen den Vorrang haben dürfen, die zum Schaden ganzer Nationen und sogar der Menschheit auf irrationale Weise die Quellen des Lebens vernichten. Die nachfolgenden Generationen haben das Recht, von uns eine bewohnbare Welt zu bekommen und nicht einen vergifteten Planeten".

- Familiensynode Oktober 2015 -

Anfang Oktober 2015 fand in Rom eine einwöchige Familiensynode statt. Scheidung, Homosexualität sollte dabei auch thematisiert werden. Im Vatikan war die Atmosphäre nach dem Coming-out eines schwulen Priesters angespannt. Mit einem Gottesdienst im Petersdom hatte Papst Franziskus die Bischofssynode im Vatikan zur künftigen Ausrichtung der katholischen Kirche am 14. Okotber eröffnet. Bis zum 25. Oktober beriet er sich mit 270 Bischöfen aus aller Welt. Franziskus warnte vor einer "Kirche mit verschlossenen Türen". In seiner Predigt bekräftigte das Kirchenoberhaupt die katholische Auffassung von der Unauflöslichkeit der Ehe, ging aber auch auf die Möglichkeit ihres Scheiterns ein. Die Kirche müsse sich verpflichtet fühlen, "die verletzten Paare zu suchen und mit dem Öl der Aufnahme und der Barmherzigkeit zu pflegen".

Der Papst hob auch den Wert der Ehe hervor. "Für Gott ist die Ehe keine Utopie der Jugend, sondern ein Traum, ohne den seine Geschöpfe zur Einsamkeit bestimmt sind", sagte er und erinnerte an die im Markus-Evangelium überlieferten Worte Jesu, wonach der Mensch nicht trennen dürfe, was Gott verbunden habe. Zudem warnte Franziskus vor der Vereinsamung des Menschen in der modernen Welt. "Wir erleben heute das Paradox einer globalisierten Welt, in der wir viele Luxuswohnungen und Wolkenkratzer sehen, aber immer weniger die Wärme des Zuhauses und der Familie spüren." Der Mensch, der falle oder einen Fehler mache, müsse verstanden und geliebt werden, zitierte Franziskus seinen Vorvorgänger Johannes Paul II. "Und die Kirche muss ihn suchen, ihn aufnehmen, ihn begleiten, denn eine Kirche mit verschlossenen Türen verrät sich selbst", sagte der Papst. Beim anschließenden Angelus-Gebet auf dem Petersplatz erinnerte Franziskus an die große Zahl von Kindern, die unter Hunger, Krieg und Armut leiden. "Sie klopfen an unsere Türen und an unsere Herzen und bitten um Hilfe", sagte er. "Der Herr möge uns helfen, keine Festungsgesellschaft zu sein, sondern eine Familiengesellschaft, bereit zur Aufnahme."

Für das Heilige Jahr 2016 verkündete der Papst am Dienstag (dem 3. Tag der Synode), daß Priester Abtreibungen vergeben dürften. Abtreibung sei eine Sünde, aber der Papst äußerte auch Verständnis für Frauen in einer Notlage. Allerdings stellte der Pontifex Bedingungen: Priester dürften Frauen von der Sünde der Abtreibung lossprechen, sofern sie Reue tun und um Vergebung bitten. Zudem gewährte er für die Dauer des Heiligen Jahres, das vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 dauern sollte, gewährt der Papst den Gläubigen unter bestimmten Bedingungen einen vollständigen Erlaß ihrer Sünden. "Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden", schrieb Franziskus in einem Brief an den Organisator des Heiligen Jahrs. Daher habe er entschieden, "für das Jubiläumsjahr allen Priestern dieVollmacht zu gewähren, von der Sünde der Abtreibung jene loszusprechen, die sie vorgenommen haben und reuigen Herzens dafür um Vergebung bitten".

- Weihnachtsbotschaft 2017 -

Papst Franziskus zählte in seiner Weihnachtsbotschaft am 25. Dezember einen Krieg nach dem anderen auf und forderte mehr Mitgefühl. Die Zukunft des Menschen sieht er in Gefahr. Auch zur aktuellen Jerusalem-Krise bezog der Heilige Vater Stellung. Ein "inzwischen überholtes Entwicklungskonzept" führe "zum Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt", warnte der Pontifex am ersten Weihnachtsfeiertag auf dem Petersplatz in Rom. Die Menschen müßten sich dafür einsetzen, "unsere Welt menschlicher und würdiger für die Kinder von heute und morgen zu gestalten". Das Katholiken-Oberhaupt rief außerdem dazu auf, Migranten-Kinder willkommen zu heißen. Besonderen Bezug nahm Franziskus auf den Krieg in Syrien, im Irak, im Jemen und auch auf den Nordkorea-Konflikt. Anschließend spendete das Katholiken-Oberhaupt vor Zehntausenden Gläubigen von der Loggia des Petersdoms aus den traditionellen Segen "Urbi et Orbi".

zurück
Die Markenausgaben 2016-2019

... wird fortgesetzt ...

zurück
Die Reisen des Papstes

- Reise nach Lampedusa 2013 -

Im Juli 2013 besuchte Franziskus bei seiner ersten Fernreise und als erster Papst die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa, die Ziel vieler Armutsflüchtlinge aus Afrika ist. Er sprach mit angekommenen Afrikanern, dankte den Insulanern für ihre Hilfsbereitschaft, bat um Vergebung für die im Jahresdurchschnitt 1.500 bei Überfahrten ertrunkenen Bootsflüchtlinge und kritisierte die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" gegenüber diesem Elend.

- 28. Weltjugendtag in Rio 2013 -

Seine erste Auslandsreise außerhalb Italiens als Papst führte Franziskus vom 22. bis 28. Juli 2013 zum 28. Weltjugendtag nach Rio de Janeiro in Brasilien. Bereits auf dem Flug nach Rio de Janeiro äußerte der Heilige Vater vor Journalisten seine Sorge über die hohe Arbeitslosigkeit der Jugendlichen und beklagte, daß die älteren Mitglieder der Gesellschaft heutzutage oft an den Rand der Gesellschaft geschoben würden. Nach seiner Ankunft auf dem Flughafen fuhr Papst Franziskus mit einem Minivan durch die Stadt, wo er von Zehntausenden Menschen am Straßenrand begrüßt wurde. Der Wagen des Papstes blieb mehrmals in den großen Menschenmassen stecken. Danach flog der Papst in einen Helikopter zum Guanabara-Palast zur offiziellen Begrüßung durch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff, die ihn bereits am Flughafen empfangen hatte.

Den 23.07.2013 nutzte Franziskus als Ruhetag ohne offizielles Programm. Währenddessen wurde der Weltjugendtag am Strand der Copacabana mit einer Heiligen Messe eröffnet, die vom Erzbischof von Rio de Janeiro, Orani João Tempesta mit 400.000 Teilnehmern gefeiert wurde. Am nächsten Tag besuchte Franziskus den brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida. Vor bis zu 200.000 Menschen warnte er in einem Gottesdienst in der Basilika von Aparecida vor "vergänglichen Götzen" und rief zu einer Rückkehr zum wahren Glauben auf. Er stellte Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen als die Götzen auch vieler junger Leute dar und stellte ihnen christliche Werte wie Großherzigkeit, Ausdauer und Brüderlichkeit gegenüber.

Am Abend des 24. Juli besuchte Franziskus das Krankenhaus Sao Francisco de Assis in Rio de Janeiro, wo er eine neu eingerichtete Abteilung für Menschen mit Drogenproblemen einweihte. Am Morgen des 25. Juli besuchte er den Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes. In dessen Amtssitz empfing er die Schlüssel der Stadt. Franziskus segnete dort die Flaggen der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 und traf unter anderen auch Brasiliens Fußball-Legende Pelé. Im Anschluß begab sich der Papst in die Favela Varginha, ein Armenviertel Rio de Janeiros. Dort besuchte er die Kapelle São Jerônimo Emiliano und weihte einen neuen Altar. Gegen Mittag kam Papst Franziskus kurzzeitig spontan mit Jugendlichen in der Kathedrale Metropolitana de São Sebastião in Rio de Janeiro zusammen. Gegen Abend begab sich Franziskus an die Strandpromenade der Copacabana zu einer Willkommensfeier mit den Jugendlichen. Rund eine Million Besucher jubelten ihm zu. Eine halbe Stunde fuhr Franziskus mit Musik, Gesängen, Gebeten im offenen Jeep durch die Menschenmasse.

Am Morgen des 26. Juli begab sich Papst Franziskus in den Park Quinta da Boa Vista in der Nähe des Maracanã-Stadions im Zentrum von Rio de Janeiro. Dort hörte er Beichte. Am Vormittag traf der Heilige Vater im Amtssitz des Erzbischofs von Rio de Janeiro mit jugendlichen Strafgefangenen unter Ausschluß der Massenmedien zusammen. Anschließend betete Franziskus vom Balkon des Amtssitzes aus das Angelusgebet mit Besuchern auf dem Vorplatz. Am Abend fuhr der Papst an den Strand der Copacabana, wo er mit Hunderttausenden den Kreuzweg betete.

Am Morgen des 27. Juli feierte Papst Franziskus zunächst mit Bischöfen, Priestern, Personen des gottgeweihten Lebens und Seminaristen in der Kathedrale Metropolitana de São Sebastião in Rio de Janeiro einen Gottesdienst. Danach kam es zu einer Begegnung mit den brasilianischen Staats- und Regierungschefs im Stadttheater von Rio de Janeiro. Am Abend kam der Heilige Vater mit mehr als drei Millionen Pilgern am Strand der Copacabana zu einer Vigilfeier zusammen. Am Ende des Gottesdienstes lud Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2016 nach Krakau ein. Es folgte eine Begegnung mit den freiwilligen Helfern des Weltjugendtages, wo der Papst einen persönlichen Dank aussprach. Nach einer Abschiedszeremonie am Abend auf dem internationalen Flughafen von Rio de Janeiro, flog Franziskus zurück nach Rom.

- Eintägiger Besuch an seinem Namenstag in Assissi -

Anfang Oktober 2013 besuchte Papst Franziskus den Geburtsort des Heiligen Franz von Assisi an dessen Namenstag. Er sagte, daß er als Pilger nach Assisi käme, als Stimme des Weltgewissens, aber auch als Reformer seiner Kirche. Die Gläubigen rief er zu mehr Bescheidenheit auf. Der Besuch fand unter großem Medieninteresse statt. Franziskus I. landete mit einem Hubschrauber vor dem Serafico-Institut für behinderte Kinder und Jugendliche. Er hielt sich lange bei den Betroffenen auf, sprach mit Pflegern und suchte die Begegnung mit den Gläubigen.

Der heilige Franziskus (1182/83-1226) erlebte einst die Begegnung mit Leprakranken als existenzielle Gotteserfahrung. Franziskus der Papst konfrontierte die Welt nun mit einer Leidensform, die bei vielen ebenfalls die Frage aufwirft nach der Existenz eines barmherzigen Gottes, der "das zuläßt". Das Bild eines spastisch gelähmten Jungen, der seine verkrampften Arme um den Hals des Papstes legt, war mehr als ein starkes Kameramotiv. "In diesen Kindern zeigt sich der leidende Christus", sagt Franziskus in seiner Ansprache. Offenbar berührt von seinem fast 45 Minuten langem Rundgang durch die Reihen an Rollstühlen legte er dann sein Redemanuskript beiseite und sprach frei und sehr leise. Jeder, der sich Christ nenne, aber auch Politik und Gesellschaft, dürften das Leid der Benachteiligten nicht verdrängen, forderte der Papst. "Manchmal sehen sich die Familien stattdessen alleingelassen mit der Last, die auf ihnen liegt." An dieser Stelle fehlte auch nicht das bekannte Diktum des Papstes von einer "Kultur des Aussortierens", der die Menschheit eine "Kultur der Annahme" entgegensetzen müsse. Es fehlte auch nicht im "Entkleidungssaal" des Bischofshauses, wo der heilige Franziskus vor aller Öffentlichkeit die Kleider ablegte und sich für immer von Besitz und Erbe trennte.

Genau diese "Entkleidung", den Verzicht auf einen Ungeist der "Weltlichkeit" erklärte Franziskus I. zum Ideal in der Nachfolge Christi. Das gelte gerade für die Kirche, von der Ordensschwester bis zum Kardinal, bis zum Papst. "Die Weltlichkeit tötet die Seele und sie tötet die Kirche", so der Papst, der dabei von den acht Kardinälen eingerahmt wurde, mit denen er bis zum Vortag über eine Reform der Kurie beraten hatte, als er Kritik am vatikanischen Hofstaat übte.

- Reise ins Heilige Land (24. - 26.05.2014) -

Vom 24. bis 26. Mai 2014 besuchte Franziskus I. das Heilige Land. Das Besuchsprogramm war ungewöhnlich dicht und führte den Pontifex von Jordanien über die Palästinensergebiete bis nach Israel. Es war die zweite Auslandsreise. In der jordanischen Hauptstadt Amman stand ein Treffen mit König Abdullah II. auf dem Programm sowie eine Messe in einem Stadion und eine Begegnung mit Flüchtlingen aus dem Irak und aus Syrien. An dem privaten Gespräch mit dem Papst nahmen auch die vier Kinder des Königspaares im Alter von neun bis 19 Jahren teil. Das jordanische Königshaus gilt als wichtiger Förderer des christlich-islamischen Dialogs.

Am zweiten Tag stand ein Besuch in Bethlehem auf dem Programm, wo Papst Franziskus ein unerwartetes Zeichen an der israelischen Trennmauer zwischen Israel und den Palästinensergebieten setzte. Auf dem Weg zur Geburtskirche verließ er seinen offenen Wagen, um zu der rund acht Meter hohen, mit Stacheldraht bewehrten Sperranlage zu gehen. Er lehnte schweigend seine Stirn an die Mauer, eine Geste, die an die Jerusalemer Klagemauer erinnerte. Am Geburtsort Jesu forderte er von Israel und den Palästinensern "Mut zum Frieden", um diesen "unerträglichen" Konflikt zu beenden und einen stabilen Frieden zu erreichen. Der Argentinier wünschte einen "glücklichen Aufbruch zum Frieden". Vor tausenden jubelnder Palästinenser zelebrierte der Pontifex zudem auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem eine Heilige Messe. Palistinenserpräsident Abbas dankte dem Oberhaupt der katholischen Kirche für seine Bemühungen, "unserem Volk Gerechtigkeit und Rechte zu bringen". "Ich sende eine Botschaft an unsere israelischen Nachbarn, eine Friedensbotschaft", sagte der Papst. Nach einem Besuch in einem palästinensischen Flüchtlingslager reiste er am Nachmittag nach Israel weiter. Nach Polizeiangaben waren im Großraum Jerusalem etwa 8000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um für Ruhe zu sorgen.

Zum Abschluß seiner Nahost-Reise gedachte Papst Franziskus am dritten Tag in Jerusalem der Opfer der Judenvernichtung durch die deutschen Nationalsozialisten. "Nie wieder, oh Gott, nie wieder", sagte Franziskus in der Gedenkstätte Yad Vashem. "Hier sind wir, oh Gott, beschämt davon, was der Mensch, der doch nach deinem Abbild geschaffen wurde, zu tun im Stande ist." Der Pontifex wiederholte den Gedanken in seiner Inschrift in das Gedenkbuch von Yad Vashem und schrieb auch dort: "Nie wieder!! Nie wieder!!" Er legte Blumen nieder und küßte anwesenden Holocaust-Überlebenden die Hand. Zuvor hatte Franziskus die Heiligtümer der Muslime und der Juden am Tempelberg besucht und sich mit Gesten der Versöhnung an Vertreter der beiden Weltreligionen gewandt. In einer Rede vor dem Großmufti und anderen muslimischen Vertretern sagte der Papst: "Mögen wir uns gegenseitig als Brüder und Schwestern respektieren und lieben. Mögen wir lernen, das Leiden anderer zu verstehen. Möge niemand den Namen Gottes durch Gewalt mißbrauchen."

- Korea-Reise (14.08 - 18.08.2014) -

Anläßlich des sechsten Asiatischen Jugendtages in Taejon reiste Franziskus am 14. August 2014 nach Südkorea. Auf seinem Weg nach Südkorea setzte das Oberhaupt der katholischen Kirche beim ersten Überflug über China auch ein Telegramm an die Führung in Peking ab. Am zweiten Tag seiner Südkorea-Reise hielt Papst Franziskus vor fast 50.000 Menschen eine Messe im Fußballstadion von Taejon ab. Auch Protestanten jubelten ihm zu. Mit "Viva Papa"-Rufen ("Lang lebe der Papst!") wurde Franziskus schon vor den Toren des Stadions von wartenden Gläubigen und Schaulustigen begrüßt. In seinem Gottesdienst warnte das Kirchenoberhaupt die Gläubigen davor, sich von den Reichtümern der Überflussgesellschaft blenden zu lassen. Gerade wohlhabende Menschen fühlten oft eine innere Leere, ihre Verzweiflung wachse "wie Krebs". Der Glaube solle als Gegenmittel verstanden werden gegen Unzufriedenheit und Egoismus.

Papst Franziskus warnte auch in Südkorea vor einem luxuriösen Leben von Priestern und Ordensleuten. Als Heuchelei verurteilte der Papst samstags in einer Rede vor Ordensfrauen und Patern das Leben "jener gottgeweihten Männer und Frauen, welche die Gelübde der Armut ablegen, dann aber wie Reiche leben". Zugleich würdigte er das Gemeinschaftsleben der Ordensleute im 130 km von Seoul entfernten Ort Umsong. Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief sie auf, jeder Versuchung einer "weltlichen Mentalität" zu widerstehen.

Bei einer Freiluftmesse in Seoul sprach der Papst 124 koreanische Märtyrer selig. Wie schon am Freitag vor einer Mariä-Himmelfahrt-Messe in Taejon wurde der Papst am dritten Tag seines Besuchs in Südkorea auch diesmal frenetisch begrüßt. In einem offenen Papamobil fuhr er durch ein Spalier jubelnder Menschen bis zu einem extra für die Messfeier aufgebauten Podium mit dem Altar am Ende des Kwanghwamun-Platzes. Rund 800.000 Menschen jubelten ihm zu. Im Anschluß an die Messe reiste der Papst zu einer katholischen Wohlfahrtseinrichtung außerhalb von Seoul, um dort lebende Behinderte und ihre Familien zu treffen.

Am Sonntag traf Franziskus Bischöfe aus Asien und feiierte eine Messe mit den Teilnehmern des Jugendtreffens auf dem Gelände einer Märtyrer-Gedenkstätte in Sosan. Eine für Montag geplante Abschlussmesse in der Myongdong-Kathedrale in Seoul sollte im Zeichen des Friedens und der Aussöhnung auf der koreanischen Halbinsel stehen. Die fünftägige Asienreise ging montags zu Ende. An diesem Tag starben auch drei seiner Verwandten bei einem Autounfallf in Argentinien.

- Albanien-Besuch (21.09.2014) -

Papst Franziskus ging bei seinem Besuch in Albanien am 21. September 2014 mit islamistischen Terroristen hart ins Gericht: "Niemand darf den Namen Gottes gebrauchen, um Gewalt auszuüben", so der Pontifex am Sonntag in der Hauptstadt Tirana. "Im Namen Gottes zu töten, ist ein schweres Sakrileg! Im Namen Gottes zu diskriminieren, ist unmenschlich", sagte das Kirchenoberhaupt in Anspielung auf Milizen wie "Islamischer Staat". Er habe damit den Terror von Extremisten in Syrien und im Irak im Blick gehabt, hieß es aus seiner Begleitung. Nach Auffassung des Papstes kann Albanien "für viele Länder zu einem Vorbild werden, an dem sie sich orientieren können". Grund für dieses Modell sei das Zusammenleben von Muslimen, Katholiken und Orthodoxen ohne größere Konflikte.

Dieses "kostbare Gut gewinnt eine besondere Bedeutung in dieser unserer Zeit, in der von extremistischen Gruppen das echte religiöse Empfinden verfälscht wird und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bekenntnissen verzerrt und instrumentalisiert werden", sagte Franziskus. Albanien "beweist hingegen, dass das friedliche und fruchtbare Zusammenleben von Menschen und Gemeinschaften, die unterschiedlichen Religionen angehören, konkret möglich und machbar ist". Als zentrale Botschaft sagte der Papst gleich in mehreren Ansprachen: "Niemand soll meinen, er könne sich hinter Gott verstecken, während er Gewalttaten und Übergriffe plant und ausführt". Und weiter: "Niemand nehme die Religion zum Vorwand für seine Taten, die der Würde des Menschen und seinen Grundrechten entgegen stehen." Diese Basisrechte seien "an erster Stelle das Recht auf Leben und auf Religionsfreiheit aller".

- Besuch im Parlament in Straßburg (25.11.2014) -

Am 25. November 2014 war der Papst in Straßburg zu Besuch. Im Europaparlament mahnte Papst Franziskus mehr Einsatz für Alte, Junge und Flüchtlinge an. Im Europarat warnte er anschließend vor einem Wiederaufleben des Kalten Krieges. Für nicht minder großes Aufsehen sorgten seine Äußerungen zum Umgang mit den Terrormilizen des Islamische Staates auf dem Rückflug nach Rom. Private Unterredungen gab es mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Italiens Premier Matteo Renzi.

Im Mittelpunkt aber stand seine Rede. "Der Papst", sagte Parlamentspräsident Schulz später, "hat uns einiges ins Stammbuch geschrieben." Zentrales Thema der päpstlichen Ansprache war die Menschenwürde und der Verlust derselben, wenn die individualisierte Gesellschaft sich nicht mehr ausreichend um ihre schwächsten Mitglieder kümmert. Dies sei "eine der Krankheiten, die ich heute in Europa am meisten verbreitet sehe", so Franziskus: "Das wird speziell sichtbar bei den alten Menschen, die oft ihrem Schicksal überlassen sind, wie auch bei den Jugendlichen, die keine Bezugspunkte und keine Zukunftschancen haben; es wird sichtbar bei den vielen Armen, die unsere Städte bevölkern; es wird sichtbar in dem verlorenen Blick der Migranten". Die EU-Flüchtlingspolitik – das war spätestens seit Franziskus' Besuch auf Lampedusa kurz nach seinem Amtsantritt klar – ist ihm ein besonderes Dorn im Auge. "Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird", mahnt er – und kritisiert "das Fehlen gegenseitiger Unterstützung", was als eindeutiger Seitenhieb auf das sogenannte Dublin-System verstanden wurde, das Abschiebungen in jene EU-Staaten ermöglicht, in dem ein Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. Die Grünen applaudieren heftig, und auch der CDU-Gruppenchef Herbert Reul zeigt sich danach "tief bewegt" auch von den "unbequemen Wahrheiten", die Franziskus angesprochen habe: "Wir müssen dem Anspruch gerecht werden, dass die christlichen Wurzeln der europäischen Zivilisation auch unser heutiges Handeln bestimmen."

Franziskus liest Europa jedoch nicht nur die Leviten – er will dem "Bild eines etwas gealterten und erdrückten Europas" auch eine "Botschaft der Hoffnung und Ermutigung" entgegensetzen. Die Europaabgeordneten sollten beispielsweise "daran arbeiten, dass Europa seine gute Seele wiederentdeckt". Und der Papst buchstabiert ganz konkret aus, was er darunter versteht: "Die Stunde ist gekommen, gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person."

Für den letzten Paukenschlag sorgte Papst Franziskus auf dem Rückflug nach Rom, bei dem er sich mit dem Umgang mit den brutal vorgehenden Dschihadisten des Islamischen Staates befaßte. So hält er einen Dialog mit Terrormilizen trotz deren Bluttaten für nicht gänzlich unmöglich. "Ich gehe immer davon aus, dass man nie aufgeben soll. Vielleicht kann man in der Tat keinen Dialog führen, aber dennoch darf man nie die Tür zum Gespräch verschließen". Terrorismus stellt nach den Worten von Franziskus eine Bedrohung dar und muß bekämpft und vor allem gestoppt werden. Dafür sei ein internationaler Konsens nötig, forderte Franziskus. Im August hatte der Pontifex erklärt, er halte das Eingreifen der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den IS für berechtigt. Der 77-Jährige mahnte nun: "Die Bedrohung der Terroristen ist aber genauso schlimm wie der Staatsterrorismus, der sich anmahnt, gegen Terroristen vorzugehen. Das Resultat ist immer Gewalt." Zudem rief das Oberhaupt der katholischen Kirche dazu auf, die Augen vor "Tragödien" wie Menschenhandel oder Sklaverei nicht zu verschließen.

- Besuch in der Türkei (28.11. - 30.11.2014) -

Ausgerechnet der bescheidene Papst war der erste ausländische Staatsgast im neuen Prunkpalast des türkischen Präsidenten Erdogan, als er vom 28. November bis zum 1. Dezember 2014 die Türkei besuchte. Nur wenige Minuten nach der Landung in Ankara setzte Papst Franziskus gestern bereits das erste Zeichen: Als er nach der Ankunft in der türkischen Hauptstadt zu dem Fahrzeugkonvoi geführt wurde, ging er an dem bereitstehenden dunklen Mercedes vorbei und setzte sich in einen kleineren Passat. Damit ging es zum Mausoleum des Staatsgründers Atatürk und zu Präsident Recep Tayyip Erdogan. Ursprünglich hatte der Papst darum gebeten, man möge ihm einen ganz einfachen und ungepanzerten Fiat zur Verfügung stellen, doch das lehnten die türkischen Sicherheitsbehörden ab. Der für seine Bescheidenheit bekannte Pontifex und der machtbewußte Erdogan, der sich gerade für eine halbe Mrd. Euro einen neuen Palast bauen ließ, ds hatte schon vor dem Papstbesuch für Hochspannung gesorgt. Der türkische Präsident erwartete den Gast aus Rom in seinem neuen "Weißen Palast". Schon optisch fielen die Gegensätze zwischen beiden auf: der großgewachsene, dunkel gekleidete türkische Präsident und der wesentlich kleinere und fast 20 Jahre ältere Papst im weißen Mantel. Nur einen Tag vor der Ankunft des Gastes aus Rom hatte Erdogan über Ausländer geschimpft, die sich am Tod von Muslimen freuten. Die Begrüßung fiel deshalb eher kühl aus.

Der Papst erinnerte an die schwierige Lage der religiösen Minderheiten angesichts der Konflikte in Nahost. Muslime, Christen und Juden müssten dieselben Rechte haben. Zudem lobte er die Türkei für die Aufnahme von 1,6 Mio. syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen. Die Welt sei moralisch verpflichtet, der Türkei zu helfen. Ganz ungeschoren ließ der Papst den türkischen Präsidenten am Ende aber nicht davonkommen. Er betonte den Wert der Religions- und der Meinungsfreiheit und das in einer Zeit, in der viele Kritiker Erdogans innerhalb und außerhalb der Türkei über immer schärfere Einschränkungen der freien Rede klagen. Auf Erdogans Prunkpalast ging Franziskus bei seinem Besuch allerdings nicht ein. Mit dem gemeinsamen Appell von Papst und Präsident erreichte der Besuch von Franziskus in der Türkei bereits am ersten Tag ein wichtiges Ziel.

Am 29. November besuchte der Papst die blaue Moschee und die Hagia Sophia. In der blauen Moschee erwies er dem Islam seinen Respekt. Gen Mekka geneigt beteten Papst Franziskus und der Istanbuler Mufti Rahmi Yaran einträchtig nebeneinander in der blauen Moschee, Franziskus mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen, der Mufti die Hände vor der Brust erhoben. Der Abschluß des Besuchs stand schließlich ganz im Zeichen der Ökumene. Bei einer katholischen Messe wurden sowohl der Papst als auch der orthodoxe Patriarch Bartholomäus mit Applaus empfangen. Anschließend zogen sich beide zu einem ökumenischen Gebet in der Patriarchatskirche St. Georg und einer privaten Begegnung zurück. Auch hier machte Franziskus einmal mehr deutlich, wie ernst es ihm mit seinem Anliegen des Dialogs und der Annäherung ist.

Zum Abschluß seiner Reise nahm der Papst am 30. November Muslime vor pauschalen Verdächtigungen in Schutz. "Ich glaube aufrichtig, dass man nicht sagen kann, daß alle Muslime Terroristen sind". Dies sei ebenso falsch wie die Aussage, daß alle Christen Fundamentalisten seien, erklärte Franziskus auf dem Flug von Istanbul nach Rom vor Journalisten. In allen Religionen gebe es terroristische Gruppen. Viele Muslime distanzierten sich von den Anschlägen islamistischer Terroristen. Zugleich forderte der Papst eine "weltweite Verurteilung" islamistischen Terrors. Er habe dem türkischen präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Freitag gesagt, daß alle religiösen, politischen und intellektuellen Spitzenvertreter des Islam solche Akte einhellig verdammen müssten, weil "das der großen Mehrheit der Bevölkerung hilft".

- Asien-Reise (13.01. - 18.01.2015) -

Die Asienreise führte Papst Franziskus nach Sri Lanka und auf die Philippinen. Am ersten Tag der Reise wurde er in Colombo von zahlreichen Anhängern empfangen worden. Bei der Auftaktsrede warb er für Respekt, Versöhnung und Toleranz. Nach 25 Jahren Bürgerkrieg sollte das Christentum eine Brücke über die religiöse und ethnische Kluft schlagen. Menschenmassen und Elefantenbabys begrüßten Franziskus bei seiner Ankunft in Colombo. Papst Franziskus thematisierte auch die Mißstände in Sri Lanka. Noch immer fanden sich religiöse und ethnische Gruppierungen in gewalttätigen Auseinandersetzungen wieder und er bot an, daß das Christentum könne Mittler sein, denn sowohl die Volksgruppe der Singhalesen, als auch die Volksgruppe der Tamilen bekannten sich zum Christentum, dem nur etwa sieben Prozent der Einwohner Sri Lankas folgen. Der Großteil (77 Prozent) bekennt sich zum Buddhismus, acht Prozent zum Hinduismus und ebenfalls acht Prozent sind Muslime. Franziskus traf auch mit Vertretern von Buddhisten, Hindus und Muslimen zusammen. Am 14. Januar, dem zweiten Tag seines Besuches in Sri Lanka, gab es eine Messe in Colombo mit ca. 1 Mio. Gläubigen.

Am Donnerstag, dem 15. Januar, reiste der Papst weiter auf die Philippinen und am Morgen des 18. Januar kehrte er heim nach Rom. Wegen eines schweren Sturms mußte Papst Franziskus samstags einen Besuch auf der philippinischen Insel Leyte vorzeitig beenden, wo er Überlebende des schweren Sturms von 2014 traf und eine Messe mit 120.000 Gläubigen feierte. In Tacloban hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche ein gelbes Regencape getragen. Ein Treffen mit Klerikern und Ordensleuten in der Kathedrale von Palo mußte abgekürzt werden. Die Fahrt zum Flughafen erfolgte in großer Eile und die Verabschiedung fand ohne Protokoll im Papamobil statt.

Höhepunkt des Papstbesuches war eine Messe vor Millionen Gläubigen in Manila. Franziskus mahnte in der Predigt erneut auch zu sozialer Gerechtigkeit und prangerte Korruption an. Alle müßten am "Aufbau einer Welt der Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit und des Friedens" mitwirken. Zugleich warnte der Papst die Philippiner vor Glücksspiel und Alkohol. Der Teufel locke die Menschen "mit dem Köder kurzlebiger Vergnügen, oberflächlichen Zeitvertreibs".

- Eintägiger Besuch Neapels (21.03.2015) -

Am 21. März 2015 rief Papst Franziskus während seines Besuchs in Neapel zum Kampf gegen das organisierte Verbrechen aufgerufen. Die Menschen in Süditalien sollten der Versuchung des einfachen Geldes aus unlauteren Machenschaften widerstehen. "Reagiert entschlossen gegen die Organisationen, die Jugendliche, Arme und Schwache ausbeuten und korrumpieren durch den zynischen Handel mit Drogen und andere Verbrechen." Er forderte dazu auf, nicht der Versuchung des schnellen, unehrlich erworbenen Geldes nachzugeben. "Liebe Neapolitaner, laßt euch nicht die Hoffnung rauben", so Franziskus. An die Angehörigen der Mafia appellierte er, umzukehren und auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzufinden. "Das fordern von euch auch die Tränen der Mütter Neapels", sagte Franziskus. Gott verzeihe alles, wenn Menschen den ehrlichen Willen zu einem ehrlichen Leben zeigten.

- Südamerika-Reise (06.07. - 13.07.2015) -

vom 6. bis 13. Juni 2015 besuchte der Papst Ecuador, Bolivien und Paraguay. Zum Auftakt seiner ersten Südamerika-Reise landete Franziskus in Ecuadors Hauptstadt Quito. Er sprach über die sozialen Probleme auf dem Kontinent und mahnte Achtung für die Schwächsten an. "Im Evangelium können wir die Schlüssel finden, mit denen wir uns den aktuellen Herausforderungen stellen können - indem wir die Unterschiede schätzen sowie den Dialog und die Beteiligung ohne Ausgrenzungen fördern", sagte Franziskus. Ecuadors Präsident Rafael Correa hatte die soziale Frage als das Grundproblem Lateinamerikas bezeichnet. Für die Armut in der Region seien "perverse politische, soziale und wirtschaftliche Systeme" verantwortlich, sagte Correa in Anwesenheit des Papstes. Auf dem 45 km langen Weg vom Flughafen in die Stadt wechselte der Papst von einem geschlossenen Wagen ins offene Papamobil, um die zahlreichen Menschen am Straßenrand beim Vorbeifahren besser grüßen zu können. Als erster Höhepunkt der neunten Auslandsreise des Papstes war eine Messe in der Pazifikmetropole Guayaquil vorgesehen. Es wurden bis zu zwei Mio. Menschen erwartet.

Am Mittwochnachmittag, dem 8. Juli landete der Papst in über 4000 Metern Höhe in Bolivien, wo er die Autobahn nach La Paz nehmen mußte. An dieser liegt die berüchtigte "Teufelskurve", eine Kultstätte von Satanisten. In der Dunkelheit pilgern die Menschen an den Felsen am Straßenrand, um dem Teufel zu huldigen. Der Altar der Kultstätte ist etwa 50 m lang und ragt 40 m in die Höhe. Bis vor einigen Jahren zierte ihn ein in den Felsen gehauenes Teufelsgesicht. Als dort die Leiche eines Mannes auftauchte, der angeblich geopfert wurde, zerstörte die Polizei die Kultstätte. Doch kurze Zeit später kehrten die Teufelsanbeter zurück. Hunderte Wachsflecken abgebrannter Kerzen zeugen davon. Der Besuch von Papst Franziskus in Bolivien verlief auch sonst ereignisreich: Erst schenkte ihm Präsident Evo Morales Kokablätter, dann ein Kruzifix aus Hammer und Sichel. Und vor der Messe musste sich der Pontifex in einem Fast-Food-Restaurant umziehen. Kruzifixe werden dem Oberhaupt der Katholiken zwar ständig überreicht, aber wohl noch nie ein Kreuz in der Form von Hammer und Sichel. Das Kreuz war nämlich die Replik eines Kreuzes, das der 1980 in Bolivien ermordete Jesuit Luis Espinal geschaffen hatte. Der Papst hatte mittwochs in La Paz an einem Mahnmal an seinen mit siebzehn Schüssen brutal getöteten Ordensbruder erinnert. Der wollte mit dem eigenwilligen Werk auf die Notwendigkeit eines christlich-marxistischen Dialogs mit Arbeitern und Bauern hinweisen. Vor der Weiterreise nach Paraguay besuchte der Papst am Freitag in Bolivien die berüchtigte Haftanstalt von Palmasola in Santa Cruz de la Sierra, in der knapp 5000 Insassen praktisch sich selbst überlassen leben. Er rief Behörden und Polizei zu würdigen Haftbedingungen auf. Auch in Asunción hielt Franziskus bei der Fahrt vom Flughafen zur Nuntiatur kurz vor einer Haftanstalt an, um sich einen Chor der dort inhaftierten Frauen anzuhören.

In Paraguay lobte Papst Franziskus den demokratischen Prozeß, als er am Freitag, dem 17. Juli, dort eintraf: "Eine wirtschaftliche Entwicklung, die nicht die Schwächsten und Unglücklichsten beachtet, ist keine wahre Entwicklung", sagte er Paraguays Staatschef Horacio Cartes. Seit einigen Jahren habe Paraguay ein "solides und stabiles demokratisches Projekt" vorangetrieben. In Paraguay herrschte bis 1989 die Diktatur Alfredo Stroessners, bei der nur kontrollierte Wahlen zugelassen waren. Der 78-jährige Argentinier sprach Paraguay auch seine Anerkennung für die Entwicklung in den Bereichen Bildung und Gesundheit aus, sowie für den Kampf gegen die Korruption. Es seien jedoch noch Anstrengungen erforderlich, bis es keine Bauern ohne Land, keine Familien ohne Heim, keine Arbeiter ohne würdigen Arbeitsplatz gebe. "Eine wirtschaftliche Entwicklung, die nicht die Schwächsten und Unglücklichsten beachtet, ist keine wahre Entwicklung", sagte Franziskus bei einem Empfang im Präsidentenpalast in Asunción in Anwesenheit des konservativen Staatschefs Horacio Cartes. Die Kirche sei zur Zusammenarbeit im Aufbau einer gerechten Gesellschaft bereit.

- Kuba-USA-Reise (19.09. - 27.09.2015) -

Vom 19. bis 27. September besuchte Papst Franziskus Kuba und die USA. Tausende Kubaner jubelten dem Papst bei seiner Ankunft samstags auf den Straßen von Havanna zu. Gleich nach der Ankunft forderte er allerdings mehr Religionsfreiheit in dem kommunistischen Karibikstaat. Staatspräsident Raúl Castro dankte dem Papst für seine Bemühungen um die diplomatische Annäherung zwischen Kuba und den USA gedankt. Franziskus antwortete, indem er die Versöhnung zwischen den einstigen Erzfeinden als Beispiel für die Welt pries. Während einer Messe mit über 300.000 Gläubigen in Havanna warnte er vor Ideologien.

Dienstags landete der Papst auf der Andrew Air Force Base, dem Regierungsflughafen der USA, was als außergewöhnliche Ehrerbietung galt. Präsident Barack Obama persönlich nahm ihn dort in Empfang. Danach begab sich das Oberhaupt der katholischen Kirche in die Botschaft des Vatikan. Washington DC, Philadelphia und New York waren als Stationen der Visite vorgesehen. Ausgerechnet für die Republikaner, die so gerne ihren Glauben betonten, galt das päpstliche Programm als Zumutung. Mit dem Klimawandel und der Einwanderung dürfte Franziskus mindestens zwei Themen ansprechen, bei denen sich die Republikaner auf einen sonderlichen Kurs der Rückständigkeit begeben haben. Selbst vergleichsweise moderate Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen 2016 wie Jeb Bush oder Marco Rubio lagen in diesen Fragen mit Franziskus über Kreuz.

Mittwochs wurde der Papst im Weißen Haus empfangen. Papst Franziskus und US-Präsident Barack Obama betonten bei ihrem Treffen den gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel: "Angesichts der Dringlichkeit bin ich der Überzeugung, dass der Klimawandel ein Problem ist, das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf", sagte Franziskus in seiner Ansprache bei der Begrüßungszeremonie. Franziskus lobte den Einsatz der USA gegen Diskriminierung und für Religionsfreiheit, "einer der wertvollsten Schätze Amerikas". Die USA hätten eine Gesellschaft geschaffen, die individuelle Freiheit verteidigt. Seine kurze Rede beendete Franziskus mit den Worten "God bless America." Donnerstags sprach der Papst vor dem US-Kongreß, wo er Waffenlieferungen und die Todesstrafe anprangerte. Auch forderte er, Flüchtlinge als Menschen wahrzunehmen: "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten." Es war die erste Rede eines katholischen Kirchenoberhaupts vor dem US-Kongreß und Papst Franziskus scheute vor keiner brennenden politischen Frage zurück. Er forderte eine "menschliche, gerechte und brüderliche" Reaktion auf die Flüchtlingskrise. "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen", verlangte der Pontifex am Donnerstag in seiner Rede in Washington. "Wir müssen eine heute allgemeine Versuchung vermeiden: alles, was stört, auszuschließen", sagte Franziskus. Einwanderung war in den USA ein großes Wahlkampfthema, vor allem wegen der Migration aus Lateinamerika an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Während Präsident Barack Obama Millionen illegale Einwanderer vor der Abschiebung bewahren wollte, wollten Republikaner wie Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sie in ihre Heimatländer zurückschicken. Scharf kritisierte der Papst Waffenlieferungen in Krisen- und Konfliktgebiete. Der Export von Waffen an Akteure, die planten, "Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen", geschehe "einfach um des Geldes willen." "Für Geld, das von Blut - oft unschuldigem Blut - trieft", kritisierte er. Die USA sind der weltweit führende Exporteur von Waffen. Franziskus forderte, das "beschämende und schuldhafte Schweigen" über Waffenlieferungen zu beenden. Es sei eine "Pflicht, dem Problem entgegenzutreten und den Waffenhandel zu stoppen." Franziskus forderte auch die Abschaffung der Todesstrafe, die es in 32 der 50 US-Bundesstaaten gab.

Freitags war Franziskus bei der UNO-Vollversammlung zu Gast. Es war ein historischer Auftritt, denn Papst Franziskus eröffnete als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche die Uno-Vollversammlung. Der Papst prangerte in seiner Rede vor allem die Umweltzerstörung an. Er kritisierte die von Menschen verursachte Zerstörung der Umwelt scharf. "Jede Schädigung der Umwelt ist eine Schädigung der Menschheit", sagte der Pontifex bei seiner mit Spannung erwarteten Rede. Er ging dabei auch auf Atomwaffen ein und forderte ein weltweites Verbot. Den Atomvertrag mit Iran nannte er einen Beweis für den politischen guten Willen. In Bezug auf den "Islamischen Staat" (IS) sagte er, er verurteile jede Verfolgung von religiösen Minderheiten und jegliche Zerstörung von Kulturerbestätten. Der Uno-Gipfel wollte eine Agenda 2030 mit siebzehn Entwicklungszielen beschließen. Dazu gehörte die völlige Eliminierung von Hunger und Armut bis 2030. Der Papst mahnte, jeder Mensch habe ein Recht auf Leben, was einem "Existenzrecht der menschlichen Natur selbst" entspreche. Die heute verbreitete "Wegwerfkultur" treffe die Ärmsten der Welt am härtesten.

Am Samstag, dem zweiten Tag in New York, besuchte er die Ruinen der am 9. September 2001 zerstörten Twin Tower. Doch diese Symbolik reichte ihm nicht, denn er lud zudem Vertreter aller Religionen ein, mit ihm zu beten am Ground Zero: Christen, Juden, Hindus, Griechisch-Orthodoxe, Buddhisten, Sikhs - und Moslems. Das dritte Gebet sprach Imam Khalid Latif, der erste muslimische Kaplan des New York Police Departments. Es war die bewegendste Etappe dieser Papstvisite. Am Schauplatz von "Gewalt, Gehässigkeit und Rache" beschwörte Franziskus im gleichen Atemzug die überquellende Menschlichkeit jener Tage des Terrors: "Keiner dachte an Rasse, Nationalität, Herkunft, Religion oder Politik."

Sonntags nahm Papst Franziskus dann zum Abschluß der Reise am Weltfamilientag in Philadelphia teil. Ging es in den Reden des Papstes vor dem US-Kongress und den Vereinten Nationen vor allem um globale politische Anliegen wie soziale Gerechtigkeit, Frieden, Umweltschutz und den Kampf gegen Armut, setzte Franziskus beim Weltfamilientag auf Emotionen. Er legte sein vorbereitetes Manuskript zur Seite und sprach etwa 22 Minuten lang frei, in seiner Muttersprache Spanisch. Dabei versuchte er humorig, Bezug zum Alltagsleben seiner Zuhörer herzustellen. "Familien streiten auch mal, es können Teller fliegen, und die Kinder bereiten Kopfschmerzen", sagte er. "Ganz zu schweigen von den Schwiegermüttern." Dennoch lohne es sich, für Familien zu kämpfen, auch wenn einige anmerken könnten: "Vater, Sie reden so, weil sie nicht verheiratet sind." In Wahrheit gehe es um Liebe, sagte der Papst, und erinnerte sich an ein Treffen mit einem kleinen Jungen, der ihn gefragt habe: "Vater, was hat Gott gemacht, bevor er die Welt erschaffen hat?" Die sei gewesen: "Bevor er die Welt erschaffen hat, hat Gott geliebt."

- Afrika-Reise (24.11. - 30.11.2015) -

Ende November 2015 besuchte Papst Franziskus Afrika. Neben Kenia wollte Franziskus während seiner sechstägigen Reise auch Uganda und die Zentralafrikanische Republik besuchen. Zum Auftakt seiner ersten Afrika-Reise forderte Papst Franziskus Kenias Regierung zu einer stärkeren Bekämpfung von Armut und Ungleichheit auf. Die Führung des ostafrikanischen Landes müsse sich integer und transparent für das Allgemeinwohl einsetzen, sagte Franziskus nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Nairobi. In seiner Rede vor Präsident Uhuru Kenyatta und weiteren Regierungsmitgliedern sagte er: "Ich fordere Sie insbesondere auf, wahre Sorge für die Bedürfnisse der Armen zu zeigen." Tausende Kenianer säumten die Straßen Nairobis, als die Wagenkolonne des Papstes vorbeifuhr. Viele winkten, schwenkten kenianische Fahnen und jubelten Franziskus zu

Von Slum-Bewohnern in Nairobi wurde Papst Franziskus bejubelt. Der Papst verurteilte die "abscheuliche Ungerechtigkeit", die Millionen Menschen zum Leben in Elendsvierteln zwinge. Dafür seien Minderheiten verantwortlich, die sich nur um Geld und Macht sorgten, aber nicht um das Gemeinwohl. Der Besuch in Nairobis Armenviertel Kangemi galt als eine der wichtigsten Stationen der sechstägigen Afrika-Reise des Papstes. In dem Slum lebten etwa 100.000 Menschen auf engstem Raum zusammen. Mehr als die Hälfte der rund drei Millionen Einwohner Nairobis lebt in Slums. Die Armen "haben einen besonderen Platz in meinem Leben und meinen Entscheidungen", sagte das Kirchenoberhaupt. "Ich bin hier, weil ich möchte, dass ihr wisst, dass mir eure Freuden und Hoffnungen, eure Ängste und Traurigkeiten nicht gleichgültig sind." Auf ein solides Dach über dem Kopf, trinkbares Wasser, eine Toilette und Strom hätten alle Familien ein Recht. Franziskus bezeichnete den Zugang zu sicherem Trinkwasser als fundamentales Menschenrecht. "Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine große Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird." Menschen seien wichtiger als der "Gott des Geldes", sagte Franziskus. Nach dem Besuch im Slum hielt der Papst eine Ansprache vor Zehntausenden Jugendlichen. Er warnte eindringlich vor Korruption, die ein "Weg des Todes" sei. Wer Bestechungsgeld akzeptiere, zerstöre sein Herz, seine Persönlichkeit und sein Land. Die Opfer seien Arme, die von der Regierung vernachlässigt würden, und Kranke, für deren Behandlung kein Geld mehr da sei.

Am Freitag, 27. November, kam er nach Uganda. Dort ehrte Franziskus christliche Märtyrer, die er als Vorbild für den Alltag der Gläubigen bezeichnete. Zur Messe an der Märtyrerkirche in Namugongo kamen nach Angaben des Vatikans rund 300.000 Menschen, deutlich weniger als die von den Verantwortlichen der Gedenkstätte erwarteten zwei Mio. Gläubige. Zu einer zweiten Veranstaltung auf einem alten Flugplatz in der Hauptstadt Kampala kamen später weitere 150.000 Jugendliche.

Danach reiste er in die Zentralafrikanische Republik. Die letzte Station war die schwierigste, denn das Land war durch die Gewalt zwischen Muslimen und Christen gespalten. Am Samstag, 28. November, landete der Papst in der Hauptstadt Bangui. Am Sonntag gab es einen Besuch in einem Flüchtlingslagers in Bangui, in dem Christen Schutz suchten. Am Sontag, 30. November, gab es dann ein Treffen mit in eine Moschee geflüchtete Muslimen. Der Papst war am Mittwoch in Kenia und am Freitagabend in Uganda eingetroffen. Nach der letzten Gewaltwelle in der Zentralafrikanischen Republik Ende September, bei der mindestens 100 Menschen ums Leben kamen, hatte es Befürchtungen gegeben, Franziskus könnte die Reise absagen. In Bangui lebten nur noch 15.000 Muslime, mehr als 100.000 flohen aus Angst um ihr Leben. In den vergangenen Tagen war es jedoch relativ ruhig. Präsidentin Catherine Samba-Panza hatte gesagt, Papst Franziskus werde als Friedensbote erwartet. Durch die Gewalt zwischen Christen und Muslimen wurden in der Zentralafrikanischen Republik mehr als eine Mio. Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Christen und Muslime sollen sich gemeinsam für eine Abkehr von Gewalt und Hass einsetzen. Das hat Papst Franziskus bei seinem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik gefordert. "Wir Christen und Muslime sind Brüder und Schwestern", sagte er. Die beiden Gruppen müßten gemeinsam für den Frieden arbeiten: "Sagen wir gemeinsam Nein zum Hass, zur Rache, zur Gewalt, besonders zu jener, die im Namen einer Religion oder im Namen Gottes verübt wird!"

Der Besuch in Bangui fand unter schweren Sicherheitsvorkehrungen statt. Uno-Blauhelme, französische Soldaten und einheimische Polizisten sicherten alle Stationen des Papstes ab. Auf den drei Minaretten der Moschee waren Uno-Soldaten mit Maschinenpistolen zu sehen. Wie der Papst rief auch der Imam der Koudoukou-Moschee, Tidiani Moussa Naibi, zu einem friedlichen Miteinander der Religionsgruppen auf. Der gegenwärtige Konflikt werde nicht von Dauer sein, sondern sei nur ein schmerzhaftes Kapitel der Geschichte des Landes: "Wir werden Frieden und Sicherheit erreichen, größer und gerechter als zuvor."

- Fatima-Besuch (Portugal) (13.05.2016) -

Hunderttausende hielten Nachtwache, als Papst Franziskus bei seinem Besuch in Portugal zwei Hirtenkinder heiliggesprochen hat. In dem kleinen Wallfahrtsort Fátima soll ihnen vor 100 Jahren Maria erschienen sein, denen 1917 nach katholischem Glauben sechs Monate lang jeweils am 13. des Monats die Jungfrau Maria erschienen ist. "Danke, Brüder und Schwestern, daß ihr mich begleitet habt", sagte das 80-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche.

Eine in weiß gekleidete Figur soll den Geschwistern der Überlieferung zufolge vor 100 Jahren drei Prophezeiungen gemacht haben, die als "Drei Geheimnisse von Fátima" bekannt wurden. Im Gottesdienst berichtete der Papst, wie die Kinder die Marienerscheinungen erlebt hätten. Die kleine Jacinta habe nicht an sich halten können und ihrer Mutter erzählt, die Gottesmutter gesehen zu haben. Vor der Messe zum 100. Jahrestag war der Papst auf dem Platz vor dem Heiligtum am Freitag unter dem Jubel Hunderttausender Pilger in dem Wallfahrtsort empfangen worden. In seinem Papamobil fuhr er an rund 400.000 Gläubigen vorbei, die sich auf dem riesigen Kirchenvorplatz versammelt hatten. "Hoch lebe der Papst, hoch lebe der Papst", sangen zahlreiche Menschen. An der Erscheinungskapelle hielt er lange im Gebet inne, dann wandte er sich mit einer Ansprache auf Portugiesisch an die Gläubigen. Viele Pilger hielten Kerzen in den Händen.

Der Papst würdigte die Gottesmutter Maria: Sie sei kein Heiligenbild, "an das man sich wendet, um kostengünstig Gefallen zu bekommen", mahnte er vor der Heiligsprechung. "Als eine um die Nöte ihrer Kinder besorgte Mutter ist Maria hier mit einer Botschaft des Trostes und der Hoffnung für die sich im Krieg befindende Menschheit und die leidende Kirche erschienen". Franziskus war der vierte Papst, der Fátima besuchte; 1967 war Paul VI., 1982, 1991 und 2000 Johannes Paul II. und 2010 Benedikt XVI. in dem Ort.

- Kaukasus-Besuch (Georgien und Aserbaidschan) (31.09. - 02.10.2016) -

Anfang Oktober 2016 reiste Papst Franziskus in den Kaukasus, wobei er Georgien und Aserbaidschan besuchte. Die Beziehung zwischen der georgischen orthodoxen Kirche und dem Heiligem Stuhl galt als angespannt. 84 Prozent der Georgier bekennen sich zur orthodoxer Landeskirche, die 20.000 Katholiken machen nur rund 0,5 Prozent der Bevölkerung aus. Patriarch Illia II. hatte den Papst am Freitag (30.09.) zwar in Empfang genommen und auch freundliche Worte gesagt, aber einen ökumenischen Gottesdienst abgelehnt, da die dogmatischen Unterschiede zu groß seien. Papst Franziskus auf seiner Reise durch den Kaukasus bezeichnete der Papst die Gender-Theorie als "Feind der Ehe". "Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören", sagte der, "aber sie wird nicht mit Waffen zerstört, man zerstört sie mit Ideen." Er sprach über die "ideologischen Kolonisationen", wie er die Gender-Theorie nannte, in einer Kirche im georgischen Tiflis. Dort beantwortete er bei einem Treffen mit Priestern und Priesteramtsanwärtern die Fragen gläubiger Katholiken in dem mehrheitlich christlich-orthodoxen Land. Auf seiner Reise durch Georgien hatte Franziskus am Samstag (01.10.) die orthodoxen Christen zu Offenheit und Dialog aufgerufen. "Es tut nicht gut, sich an ein in sich geschlossenes kirchliches Mikroklima zu gewöhnen", sagte Franziskus vor 3000 Gästen in einer Messe in Tiflis. "Es tut uns gut, weite und offene Horizonte der Hoffnung miteinander zu teilen, indem wir in unserem Leben den demütigen Mut aufbringen, die Türen zu öffnen und aus uns selbst hinauszugehen."

Zum Abschluss seiner Kaukasusreise traf Papst Franziskus am Sonntagmorgen (02.10.) in Aserbaidschan ein. Am Flughafen wurde er von einem Regierungsvertreter empfangen, später sollte er mit dem autoritär herrschenden Staatspräsidenten Ilcham Alijew zusammentreffen. In dem muslimisch geprägten Land gibt es nur einige hundert Katholiken.

- Ägypten-Besuch (Portugal) (28. - 29.04.2017) -

Franziskus besuchte am 28. und 29. April 2017 Ägypten in einer kritischen Zeit. In den vergangenen Monaten waren viele Christen bei Anschlägen getötet worden. In der Al-Azhar-Universität machte sich der Papst für eine Versöhnung zwischen den Religonen stark. Er kam in seiner gewohnten Demut. Bedächtig stieg Papst Franziskus am Freitagmittag die Gangway seines Flugzeugs in Kairo herunter, sah sich zunächst um, wer unten auf ihn wartete und begrüßte dann nacheinander alle, selbst die Sicherheitsleute, mit Handschlag.

Fast 20 Jahre lag der Besuch seines Vorvorgängers Johannes Paul zurück, der als erstes katholisches Oberhaupt der Neuzeit Ägypten besuchte, am Flughafen niederkniete und die Erde küßte - eine Geste, die ihm eigen war und die er in jedem Land vollzog, in dem er zu Gast weilte. Franziskus dagegen stellte seine 27 Stunden in Kairo unter das Motto "Papst des Friedens in Ägypten des Friedens" - die Versöhnung zwischen Muslimen und Christen. Deshalb stand auch gleich zu Beginn seines Aufenthalts am Nil der Besuch der altehrwürdigen islamischen Al-Azhar-Universität an, oberste Instanz vieler sunnitischer Muslime.

Aus Sicherheitsgründen wurde die Messe unter freiem Himmel, die ursprünglich in einem Stadium in der Innenstadt geplant war, auf das Gelände eines Militärflughafens außerhalb Kairos verlegt. Die koptischen Christen in Ägypten verstehen sich als von Rom unabhängige, eigenständige Kirche betonen. Während sie nach offiziellen Angaben zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung von mittlerweile fast 92 Mio. Einwohnern ausmachen, gibt es im Nilland lediglich etwa 270.000 Katholiken. Erst seit Johannes Paul im Heiligen Jahr 2000 in Ägypten war, gibt es eine vorsichtige Annäherung der beiden Konfessionen. Jetzt, in der Stunde der Bedrohung, scheinen die beiden Kirchen näher zusammenzurücken. Erst vor zwei Wochen gab es erneut Anschläge auf die Minderheit im Norden Ägyptens: Im Nildelta, in der Stadt Tanta, explodierte am Palmsonntag eine Bombe, die unter der Bank im Kirchenraum platziert war. Kurz darauf sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einer Kirche in der Mittelmeermetropole Alexandria in die Luft. Insgesamt starben mehr als 40 Gläubige an einem einzigen Tag.

Noch nie waren Existenz und Überleben der christlichen Minderheiten im Orient so gefährdet wie heute. Islamistische Extremisten treiben einen tiefen Keil in die jahrtausende alte Koexistenz zwischen den Religionen. Ob das Zeichen der Nähe von Franziskus den resignierten Christen in Ägypten Kraft zum Weitermachen gibt, muß sich erst noch erweisen. Seit dem Sturz Mursis im Sommer 2013 geht der Staat auch gegen die Muslimbrüderschaft vor. Gleichwohl hatte Mursi Ägypten verkauft, weil er eine Ideologisierung vorangetrieben habe, die niemand wollte. Es gibt aber auch eine Abkehr vieler Jugendlicher vom Islam. Der Atheismus unter Muslimen in Ägypten nimmt enorm zu. "Die haben die Nase voll von der Ideologie von Daesh", wie er die Terrormiliz IS mit dem arabischen Ausdruck nennt. Die Zukunft der Christen in Ägypten liegt wohl in zum Christentum konvertierten Muslimen, da die Urchristen mehr und mehr die Region verließen, wenn sie noch weiter unter Druck gerieten. Noch sei der Übertritt zum christlichen Glauben für einen Muslim eine Todsünde.

- Kolumbien-Besuch (Portugal) (06. - 10.06.2017) -

Eigentlich sollte es ein Heimspiel sein für Papst Franziskus, als er am Mittwoch, dem 06. September 2017, auf dem Flugplatz El Dorado in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá landete. Während in vielen Teilen der Welt die Kriegsangst wächst, kamen aus dem einstigen Krisenland seit Monaten vor allem gute Nachrichten: Die Regierung und die marxistische Guerilla Farc hatten Frieden geschlossen, die Wirtschaft läuft vergleichsweise gut, der Tourismus blüht. Wenige Tage vor dem Papstbesuch gaben dann auch noch die Unterhändler der Regierung und Kolumbiens zweitgrößter Guerilla ELN in Quito bekannt, daß sie sich auf eine vorläufige Waffenruhe geeinigt haben. Der Papst hatte bei der Vereinbarung in Quito Pate gestanden. Franziskus hatte auch im Hintergrund mitgeholfen, das Friedensabkommen mit der Farc in Havanna unter Dach und Fach zu bringen.

Befreiungstheologen hatten die Aufstandsbewegungen in Lateinamerika ideologisch unterstützt und die ELN wurde sogar einst von einem Priester gegründet. Heute widmete sie sich allerdings wenig christlichen Aktivitäten wie Entführungen und der Sprengung von Ölpipelines. Darin lag die größte Herausforderung für Franziskus auf seiner fünftägigen Kolumbienreise: Die Guerrilleros waren bei den meisten Kolumbianern zutiefst verhaßt und sie galten als Banditen und Terroristen. Bei einem ersten Referendum vor fast einem Jahr hatte eine knappe Mehrheit das Friedensabkommen mit der Farc rundherum abgelehnt, die Anzahl der Gegner hat Umfragen zufolge in den vergangenen Monaten noch zugenommen. Viele Kolumbianer waren dagegen, daß den Guerrilleros automatisch Sitze im Parlament zugesprochen werden sollten. Sie fürchteten, daß ihre Anführer, die sie für Morde, Entführungen und Drogenhandel verantwortlich machen, straflos ausgehen würden. Der oberste Vertreter dieser Kolumbianer, die sich von Präsident Juan Manuel Santos verraten und verkauft fühlten, war der konservative Ex-Staatschef Alvaro Uribe. Franziskus hatte während einer Audienz in Rom versucht, die beiden tief verfeindeten Streithähne zu versöhnen - und war gescheitert.

Auf seiner Reise wollte er zur Versöhnung aller Kolumbianer aufrufen. Die meisten Kolumbianer sind zwar gläubige Katholiken, aber viele sahen ihn nicht als neutralen Friedensstifter, sondern als Partei. Franziskus zählte zwar nie zu den Befreiungstheologen, doch seit seiner Zeit als Jesuitenpriester in Buenos Aires steht er den Linksperonisten in seiner Heimat Argentinien nahe. Mit der peronistischen Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner kann er besser als mit dem amtierenden Konservativen Maurício Macri. Er verfügte über gute Beziehungen zu Kubas Raúl Castro,aber viele Dissidenten dagegen beklagten, daß der Vatikan ihre Nöte ignorieren würde. Vor allem sein langes Schweigen zu den Zuständen in Venezuela hatet Franziskus in Mißkredit gebracht. Seine Vermittlungsbemühungen in Venezuela scheiterten, weil er nach Ansicht der Gegner von Nicolás Maduro zu nachsichtig mit dem Präsidenten war. In Bogotá wollte Franziskus sich mit einer Delegation venezolanischer Bischöfe treffen.

Papst Franziskus gibt sich alle Mühe, seinen Besuch in Kolumbien zu entpolitisieren: Er schlug den Wunsch von Ex-Guerrilleros der einstigen Rebellentruppe Farc aus, die um eine Privataudienz gebeten hatten. Nur kurz traf er sich mit einer Delegation von fünf Bischöfen aus Venezuela und er verzichtete auf jegliche Kritik an dem diktatorischen Regime von Präsident Nicolás Maduro. Der Pontifex zeigte sich nur allgemein "besorgt" über die humanitäre Krise in dem Nachbarland. Franziskus rüffelte dagegen die kolumbianischen Bischöfe: "Ihr seid keine Techniker oder Politiker, sondern Hirten!" rief er dem versammelten Klerus in der Kathedrale von Bogotá zu. Kolumbiens Amtskirche setzte sich nach Ansicht Roms zu wenig für den Friedensprozess ein. In der Vergangenheit stand der Klerus oft auf der Seite der Herrschenden, das südamerikanische Land hat einige der konservativsten Geistlichen Lateinamerikas hervorgebracht. Ausgerechnet dieser Papst, der in anderen lateinamerikanischen Ländern gern die herrschenden Klassen wegen ihres Elitismus und mangelnden Mitgefühls kritisiert, machte sich nun in Kolumbien zum Verbündeten der Regierenden: Franziskus und Präsident Juan Manuel Santos, ein Vertreter einer der traditionellsten und einflussreichsten Familien des Landes, wirkten bei ihren gemeinsamen Auftritten wie ein Herz und eine Seele.

Die "Violencia" ist das große Thema von "Hundert Jahre Einsamkeit", dem inoffiziellen Nationalepos des zweiten kolumbianischen Nobelpreisträgers, Gabriel García Márquez. Franziskus zitierte in seiner Begrüßungsrede ausgiebig aus dem Werk des großen Dichters, er verlieh Santos' Friedenswerk damit eine historische Dimension. Ohne Friedensabkommen wäre er nicht nach Kolumbien gekommen, auch das machte er deutlich. Allerdings waren die traditionellen Parteien und ihre Politiker im Volk noch unbeliebter als die Farc. Ob Kolumbien den Weg zu einem dauerhaften Frieden findet, hängt auch davon ab, ob die herrschende Klasse bereit ist, gegen die grassierende Straflosigkeit vorzugehen - und damit ihre eigenen Privilegien abschafft. Franziskus hatte die Demoralisierung der Gesellschaft und ihrer Institutionen, die dem kolumbianischen Konflikt zu Grunde liegt, bislang nicht angesprochen. Damit lief er das Risiko, daß seine Appelle an Vergebung und Versöhnung verhallen. Die Abwanderung der Gläubigen, die auch in Kolumbien massenweise zu evangelikalen Pfingstkirchen überlaufen, würde so nicht zu stoppen sein.

Am letzten Tag seiner fünftägigen Kolumbienreise, dem 10. Juni 2017, hatte sich Papst Franzsiskus eine leichte Verletzung zugezogen. Das Auto des Heiligen Vaters hatte zuvor plötzlich anhalten müssen. In der kolumbianischen Stadt Cartagena gab es für Papst Franziskus im Papamobil kaum ein Durchkommen. Hundertausende empfingen ihn bei seinem Besuch. Aus noch unbekannten Gründen mußte das Papst-Auto auf einmal stoppen, dabei stieß sich der 80-Jährige offenbar. In der Folge blutete er an der linken Augenbraue. In der Karibikmetropole hatten ihm die Menschen zuvor begeistert zugejubelt. Cartagena war die letzte Station des Kolumbienbesuchs.

- Myanmar- und Bangladesh-Besuch (Portugal) (27.11. - 01.12.2017) -

Inmitten der Flüchtlingskrise um die muslimischen Rohingya besuchte Franziskus als erster Papst Myanmar. Am Montagabend, dem 27. November 2017, traf er den Armee-Chef, der für das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Rohingya verantwortlich gemacht wurde, wobei dieser alle Berichte über deren Diskriminierung zurüc kwies. Weißgekleidete Nonnen und Gläubige in bunten Gewändern säumten die Straßen, als der Fahrzeugkonvoi des Papstes nach seiner Ankunft am Flughafen von Rangun zur Residenz des Erzbischofs fuhr. Die Reise des Papstes galt wegen der Flüchtlingskrise um die muslimische Minderheit der Rohingya als besonders heikel. Franziskus hatte sich in den vergangenen Monaten mehrmals besorgt über die Verfolgung der Rohingya geäußert. Ein Vatikansprecher sagte nach dem Treffen, der Papst und der Armeechef hätten über "die große Verantwortung von Myanmars Behörden in dieser Zeit des Übergangs" gesprochen. Er spielte damit auf das Ende der mehr als 50 Jahre dauernden Militärherrschaft seit den Wahlen vor zwei Jahren an. Am Dienstag, dem 28. November 2017, traf Franziskus Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin stand wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise ebenfalls international in der Kritik. Die muslimischen Rohingya wurden in Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt. Ende August war der Konflikt eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Seither wurden durch das Militär hunderte Rohingya getötet, rund 620.000 Rohingya flüchteten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Die UNO und Menschenrechtsorganisationen sprechen von "ethnischen Säuberungen".

Ausgerechnet Ranguns Erzbischof Charles Bo hatte dem Papst vor seiner Reise empfohlen, in Myanmar die Bezeichnung "Rohingya" nicht zu verwenden. In dem südostasiatischen Land werden die staatenlosen Rohingya als illegale Einwanderer aus Bangladesch angesehen und als "Bengalen" bezeichnet - obwohl viele von ihnen seit Generationen in Myanmar leben. Von den 51 Mio. Einwohnern Myanmars sind nur 700.000 Katholiken. Zu einem Gottesdienst in einem Stadion in Rangun kamen am Mittwoch, dem 29. November 2017, 200.000 Gläubige.

Am Donnerstag, dem 30. November 2017, reiste der Papst weiter nach Bangladesch. Am Freitag, dem 30. November 2017, traf er sich in der Hauptstadt Dhaka mit einer kleinen Gruppe von Rohingya-Flüchtlingen. Papst Franziskus hat die aus Myanmar geflohenen Rohingya um Vergebung für ihr Leiden durch die "Gleichgültigkeit der Welt" gebeten. Bei einem interreligiösen Treffen in Bangladesch benutze er am Freitag auch die Bezeichnung Rohingya, die er in Myanmar noch vermieden hatte. Zuvor hatten Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar dem Papst bei dem Treffen ihre Erlebnisse geschildert. Die zwölf Männer, zwei Frauen und zwei Mädchen waren aus dem Grenzort Cox' Bazar in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka gekommen. Franziskus griff ihre Hände, während sie von einem Dolmetscher übersetzt wurden.

... wird fortgesetzt ...

nach oben